Logo des Vereins Straßenhunde in Not. Im Hintergrund karge Landschaft, rechts unten im Vordergrund ein Weg. Links kleine Hundesilhouette. Rechts ein großer Hundekopf frontal, leicht geneigt.

Straßenhunde in Not - unser erster Einsatz: Albanien

Blick aus dem Hotelzimmerfenster

Durres, Albanien. Unser Ausblick vom Hotelzimmer

Endlich ist es soweit: wir sind als Verein jetzt behördlich anerkannt und eingetragen und heißen Euch herzlich willkommen!

Unser erster Einsatz war hart aber dennoch erfolgreich. Wie Ihr wisst, bin ich mit Heidi am 21. September, d.h. Sonntag Nacht, mit dem Auto in Richtung Albanien gestartet. Die Reiseroute ging über die Schweiz, nach Bologna, Italien, weiter bis Bari Hafen. Von dort aus sind wir mit der Fähre nach Tirana, Albanien, übergesetzt und kamen Montag morgen um 8 Uhr an.

Zunächst waren wir mit einer Tierfreundin verabredet, die in Tirana lebt und die mich per E-Mail schon vorab über die schrecklichen Zustände und Vorkommnisse bezüglich der Straßenhunde informiert hat. Unser Bestreben war, in der Hafenstadt Durres eine provisorische Auffangstation zu suchen und einen guten Tierarzt zu finden - was in Albanien nicht die Regel ist - und der willens ist, kostengünstige Kastrationen durchzuführen.

Verschüchteter Hund

Dieser Hund am Strand hat mich zutiefst bewegt. Wir wollten ihm näher kommen, um ihm etwas zu fressen zu geben. Da erst sahen wir, dass er verletzt war und nur aus Haut und Knochen bestand. Zu Tode erschrocken verschwand er hinkend, ohne sich auch nur noch einmal umzudrehen. Das Fressen haben wir auf dem Rückweg wiedergesehen; es war unberührt. Er hat so eine Traurigkeit ausgestrahlt, so eine Resignation und war nur noch auf der Flucht um sein Leben. Diese Augenblicke vergisst man nie.

In Albanien sieht es mit den Straßenhunden folgendermaßen aus: Alle fünf bis sechs Monate werden sog. "Säuberungen" von der albanischen Gemeinde durchgeführt. Dies bedeutet, dass die Hunde gejagt werden. Man schießt auf sie und schlägt sie tot. Kaum einer der Hunde überlebt eine "Säuberung". Und die überlebenden Hunde sind total verängstigt, abgemagert, flüchten auf Müllhalden, zu Uferläufen und verstecken sich.

Fütterung

Eine Tierschutzorganisation aus Backnang hatte uns viele Sachspenden für die Straßenhunde mitgegeben, von Tiernahrung über Decken, Spielzeug, Hundehalsbänder bis zu Transportkörben. Dies haben wir der Tierfreundin in Albanien gegeben, die mehrere Hunde besitzt. An verschiedenen Hügeln habe ich Futter verstreut, und siehe da: nach ca. fünf Minuten kam der erste Hund, dann der zweite, und irgendwann war es wie eine Patchworkdecke über dem Hügel. Meine geliebten, abgemagerten Straßenhunde.

Einsam, verlassen und hungrig

Da sitzt er einsam und verlassen, hungrig und verängstigt, Hauptsache am Leben.

In einer Stadt wie Durres, wo Tourismus erwünscht ist, findet man keinen Hund, nicht einmal nachts, wirklich nur ganz vereinzelt. Ich habe einen Hund gesehen, der mit eingezogenem Schwanz an einem Brückenpfeiler stand und unfähig war, auch nur einen Schritt zu laufen. Verletzte Tiere, die ich sah, sind so gut sie konnten weggerannt, nehmen keinerlei Futter und rennen in panischer Angst davon. In Albanien sind die meisten Häuser und Grundstücke mit Mauern umgeben, in die oben spitze und große Glasscherben einzementiert sind, was wiederum für Tiere, die darüber klettern wollen, den sicheren Tod oder tödliche Verletzungen bedeutet.

Immer auf Nahrungssuche

Immer auf Nahrungssuche.

Hündin

Sie musste wohl schon mehrere Junge bekommen haben, was man ihr deutlich ansah.

Eine mit Glasscherben bestückte Mauer

Beweismaterial: Fast jedes Grundstück besitzt eine solch "schöne" mit glasscherben bestückte Mauer.

Verlassenes Pferd in der Stadt

Mitten in der Stadt sahen wir am Straßenrand plötzlich dieses Pferd.

Pferd mit Schrammen und Wunden

Als wir näher kamen, sahen wir, dass es lauter Schrammen und Wunden hatte und total abgemagert war. Leider konnten wir den Besitzer nicht ausfindig machen. Eine Frau, die vor einem Haus saß, meinte nur, es gehöre ihr nicht. Und so konnten wir leider nichts machen, da es auch sehr schwierig war, einen Tierarzt zu finden. Und das Tier mitnehmen, wäre wirklich schwierig gewesen. Auf die Schnelle konnten wir keine bessere Unterkunft für ihn finden.

Bei einer kleinen Katze, die wir aufgelesen haben, war offensichtlich, dass ihr jemand brutal ins Gesicht getreten hatte, so dass sie keine Nahrung mehr aufnehmen konnte und nicht mehr fähig war, über die Nase zu atmen.

Straßentiere suchen sich einen Platz

Wir suchten zwei Tierärzte auf, wobei der erste sie überhaupt nicht ansah und die Wunde nur notdürftig versorgte. Seine Praxis bestand aus einer regelrechten Bretterbude. Der zweite Tierarzt hatte inmitten einer Hochhaussiedlung sein Prachthaus, aber einen Behandlungsraum, der an eine schmale Toilette erinnerte. Er wollte sie an der rechten Pfote hochheben, was bei mir blankes Entsetzen auslöste, so dass ich ihm die Kleine aus der Hand riss und sie vorsichtig in den Transportkorb zurücksetzte. Schließlich fanden wir in dieser Nacht noch einen ganz tollen Tierarzt, der sie aber bedauerlicherweise einschläfern musste, nachdem die Infusionen ihr leider auch nicht das Leben retten konnten. Anhand dieser wenigen Beispiele könnt Ihr Euch jetzt vielleicht ein Bild machen, wie schrecklich und katastrophal die Zustände dort für die armen Tiere sind.

Eines Tages waren wir wieder unterwegs, vor uns ein Lastwagen, als wir sahen, dass von rechts ein kleines Etwas auf die Fahrbahn zurannte. Wir vermuteten zuerst eine Maus. Doch dann sahen wir mit Entsetzen, dass es eine kleine Katze war, ca. drei bis vier Wochen alt, ihr Fell war ziemlich verklebt und sie schrie jämmerlich. Wir hielten an und fragten bei einer Frau, ob sie wüsste, wo die Mutter von dieser Kleinen ist. Sie bedeutete uns, dass sie schon seit zwei Tagen nicht mehr kam. Unsere erste Aktion war, den Schreihals still zu stellen.

Tütterung
Geborgenheit
Spieltrieb

Krishna fragt: "Wann geht's nach Hause?"

Wie Ihr Euch denken könnt, sind wir nicht alleine zurück gefahren. Im Gepäck hatten wir unseren ca. vier Wochen alten Kater, der jetzt "Krishna" heißt, sowie eine ca. acht Monate alte Hündin, die auf allen Vieren vor lauter Angst auf uns zugerobbt kam und schon auf den ersten Blick abgemagert und ziemlich verhungert aussah. Nachdem wir sie ausgiebig gefüttert haben - es waren an die fünf Tüten Katzenfutter - ging sie nicht mehr vom Fleck, weder vorwärts noch rückwärts. Wir wollten sie überreden, dass sie mit auf unser Zimmer geht, aber sie hatte nur Angst, lief aber auch nicht weg. So habe ich sie dann vorsichtig hochgehoben und in den 3. Stock auf unser Zimmer getragen. Ängstlich hat sie sich unter den Tisch gelegt. Etwa zehn Minuten später klopfte es an der Türe und unsere Wirtin stand bedrohlich da und hatte einen Zettel in der Hand, darauf stand: "Keine Hunde in diesem Hotel!" Da sagte ich: "Na gut, dann gehen wir alle". Da sah sie mit Entsetzen, wie Krishna maulend auf sie zukam. Wir haben sie dann erst wieder fünf Tage später an unserem Abreisetag gesehen. Unsere Hündin heißt jetzt "Ganesha". Sie blieb brav auf dem Zimmer, wenn wir unterwegs waren. Nach draußen haben wir sie nie gekriegt, weil sie zuviel Angst hatte. Wenn wir da waren, war sie glücklich.

Unsere Findelkinder

Unsere beiden Findelkinder.

An einem der darauf folgenden Tage sind wir morgens um 5 Uhr wieder unterwegs, um nach den Straßenhunden zu sehen. Uns fiel ein offener Transporter auf, der mit Hunden beladen war. Sofort nahmen wir die Verfolgung mit laufender Kamera auf. Nach etwa 10 Minuten bog er in eine Auffahrt ein. Wir stellten unser Auto ab, stiegen aus und hielten Ausschau nach den Hunden, die wir unbedingt filmen wollten. Allerdings war das Auto dann spurlos verschwunden, und nachdem wir noch etwas herumstanden, kam es auf einmal aus einer anderen Auffahrt heraus. Wir jagten hinterher. Das Auto war jedoch leer und brauste mit schnellem Tempo davon. Auch unsere Suche nach den Hunden in den Hinterhöfen war erfolglos. Immerhin haben wir die Hunde und das Auto mitsamt Kennzeichen gefilmt. Uns war ganz schlecht bei dem Gedanken, dass die armen Hunde erschlagen und erschossen werden. Auch haben wir uns überlegt, dass wenn wir hingehen und fragen, was mit den Hunden passiert, sie uns sowieso anlügen würden. Was konnten wir tun? Wir dachten, wenn wir die Hunde finden, könnten wir verhandeln. Aber die Hunde waren spurlos hinter hohen Mauern von Industrieanlagen verschwunden. Still und bedrückt fuhren wir ins Hotel zurück.

Schweren Herzens zurückgelassen

Ihn hätten wir auch gerne mitgenommen, aber es war schon der letzte Tag, und ohne Impfpass und Chip ist es sehr gefährlich ein Tier mit über die Grenze zu nehmen. Denn würde er während einer Grenzkontrolle entdeckt, müsste er dort bleiben und würde erschossen.

Ein Hund ruht auf einer Müllhalde aus

Einen Tag später, Donnerstag abend, wollten wir zum Strand gehen.

Der Weg, auf dem wir überfallen wurden

Auf diesem Strandweg wurden wir abends um 20:30 Uhr überfallen.

Plötzlich sagt Heidi zu mir: "Du, irgend etwas stimmt hier nicht. Zwei junge Männer sind uns vorhin erst entgegen gekommen und jetzt laufen sie hinter uns". Als ich mich umdrehte, rannte ein großer junger Mann auf mich zu, hob mir eine Pistole an den Bauch, riss mir die Filmkamera aus der rechten Hand und gab sie seinem Begleiter. Dann zeigte er auf meine Bauchtasche und deutete mir unmissverständlich an, dass ich ihm diese auch geben solle. Mir blieb nichts anderes übrig, denn er hatte die "besseren" Argumente. Jetzt war meine Filmkamera mit allen Aufnahmen und mein Reisepass weg. Von da an blieben wir noch vier Tage in Durres, behütet und bewacht von der örtlichen Polizei. Wir wurden morgens geholt und abends wieder zurück gebracht. Auch kam unser Kommisario morgens in unsere Stammkneipe und fragte unsere Wirtin, was ihr an uns auffiele. Sie meinte lächelnd: "Sie essen kein Fleisch, keine Wurst und keinen Fisch".

Eine Bar

Zum Glück hatten wir noch eine kleine Fotokamera dabei, die uns jetzt gute Dienste leistete.

Auch wurde uns bei den Recherchen ein ganz bestimmtes Viertel genannt, allerdings verliefen sich dann die Spuren. Auch können wir den Ort aus Datenschutzgründen hier nicht nennen. Hier einige Bilder.

Ein Industrieviertel, in das die Hunde gebracht wurden

Sehr markant war, dass ich eine paar Tage zuvor eine Vision hatte, in der ich folgendes sah: ein Gebäude rund, wie eine runde Tiefgarage (siehe Foto). Durch einen 20 m tiefen Graben ist die Weiterfahrt nicht möglich. Von vorne ist es abgesichert wie beim Militär.

Ein Industrieviertel, in das die Hunde gebracht wurden

Gehört auch zu diesem Areal. Natürlich wäre es einfach zu denken, dass sie irgendwo verbrannt werden, aber was passiert wirklich mit ihnen, den tausend und abertausend erschlagenen Hunden? Auch waren wir erstaunt über einen weißen Transporter, auf dem in deutsch "Tiernahrung, Katzen- und Hundefutter" stand.

Kinder bei schwerster Arbeit

Hier arbeiten Kinder wie Schwerstarbeiter unter primitivsten Umständen. Vor allen Dingen ist der beißende Gestank und Qualm unerträglich. Zutiefst erschüttert hat mich eine Szene: als wir diese Fotos vom Auto aus machten, kam ein kleiner Junge auf uns zu, Mund und Nase verhüllt, seine Augen sahen sehr krank aus, so als ob sich die Hornhaut löst. Und er sagte auf albanisch sinngemäß, dass wir verschwinden und von ihm keine Fotos machen sollen. Diese Augen haben wir alle nicht vergessen, wie ein gequältes Tier. In meinen Gedanken schicke ich ihm von diesem Augenblick an gute Wünsche, dieser kleinen armen Seele.

Ein weißer Transporter. In einem solchen wurden die Hunde weggebracht

Mit solchen weißen Bussen (links im Bild) werden die Hunde abtransportiert. Mit Entsetzen sahen wir in der Ferne einen Hund liegen. Als wir riefen, sah er sich um, und wir waren erleichtert.

Einsamer Hund auf einer Müllhalde

Alles ok, ich bin noch da.

Dickster Qualm

Der Qualm stinkt und ist unerträglich. Ich hatte abgelegte Kinderkleider dabei, die ich zum Teil dort verschenkte, und alles, was wir nicht brauchten. Eine Frau hat sich sehr gefreut.

Schweine - ein Familienidyll

Auf den Müllhalden waren auch viele Schweine. Hier ein Familienidyll.

Schweine auf einem Spaziergang

Hauptsache, Mama ist dabei.

Freundlich winkende albanische Zigeuner

Albanische Zigeuner, die auf mein Winken freundlich zurück winkten.

Kinder reiten auf einem Esel

Endlich ein versöhnlicheres Foto.

Ganesha schläft

Ganesha hat sich geweigert, sie ging weder in die Hundebox noch auf den Rücksitz. Sie wollte hartnäckig zwischen uns in der Mitte sitzen. Sie hatte Angst, dass wir sie nicht mitnehmen.

Der Kater Krishna

Krishna hatte von uns Beruhigungstropfen bekommen, da er zu Beginn der Fahrt bereits sehr unruhig war und bei Grenzkontrollen lauthals meckerte.

Zwischenmahlzeit bei der Rückfahrt

Kleine Zwischenmahlzeit. Was auch sehr markant war für den ca. 3 bis 4 Wochen alten Krishna: wenn wir ihm Futter hinschoben, brummte er und legte sich darauf. Heute frisst er ganz manierlich.

Erschöpft zurück

So kamen wir , aber dennoch glücklich zurück mit unseren beiden lieben Findelkindern. Aber das war erst der Anfang. Wir holen nur Luft und verschnaufen. Wir lassen unsere Straßenhunde nicht im Stich.

Ich möchte einfach alles wiedergeben, was ich gesehen und erlebt habe, damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt. Auf gar keinen Fall geben wir auf, denn wir konnten während unserer ersten Reise nur die wichtigsten Dinge in Erfahrung bringen.

Die ersten Fäden ziehen wir bereits, und es werden langsam aber sicher immer mehr. Straßenhunde, haltet durch!

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