Logo des Vereins Straßenhunde in Not. Im Hintergrund karge Landschaft, rechts unten im Vordergrund ein Weg. Links kleine Hundesilhouette. Rechts ein großer Hundekopf frontal, leicht geneigt.

Organisierte Hundequälerei in Apulien

Straßenhunde gibt es in Italien zuhauf. Im südlichen Italien, in Apulien, gibt es besonders viele Straßenhunde. Wie geht man in Apulien mit ihnen um?

Straßenhunde werden eingefangen, zu Hunderten in Lagern gesammelt und weggeschlossen. Für jeden internierten Hund bezahlt die italienische Regierung pro Tag 3 bis 5 EUR "Unterhalt" an die Lagerleitung - ein einträgliches Geschäft.

Sucht man eine Übersetzung für den Begriff Canile, so stößt man auf das deutsche Wort Tierheim. Doch inwieweit decken sich die Inhalte der beiden Begriffe? Das verbinden wir mit dem Begriff Tierheim: Regelmäßige tierärztliche Kontrollen, tägliche Futterrationen, Besuchstage, Öffnungszeiten, Gassi-Geher und wofür der Begriff Tierheim insbesondere steht - die Tier sollen eine neue, gute Bleibe finden.

Bei einem Canile verhält es sich vollkommen anders: Besonders die Vermittlung der Tiere fällt in den Canile unter den Tisch. Die Tiere, einmal eingefangen und in ein Canile gebracht, verlassen diese Lager in der Regel nicht mehr - für die Hunde gibt es kein Entkommen. Eine Vermittlung der Hunde ist gar unmöglich, denn Besucher sind in den Canile mehr als unerwünscht - vielerorts ist selbst das Betreten der Anlagen streng verboten.

Canile dienen oft einer organisierten Geldbeschaffung, bei der die Hunde bloßes Mittel zum Zeck sind; das Geld steht dabei im Vordergrund.

Canile Außen

Allein in Südtalien gibt es rund 100 Canile. Die meisten sind in alten Schlachthöfen oder Fabrik-Arealen eingerichtet. Die Canile sind kaum aufzufinden und die Anfahrt zu einem Canile gestaltet sich als schwieriges Unterfangen. Auch wir benötigten - trotz ortskundiger Hilfe - eine volle Stunde und vier Telefonate, um das Canile zu erreichen.

Um ein Canile mit wenigen Worten zu beschreiben: Mehrere hundert Meter lange Fabrikgebäude - Stein und Beton - ohrenbetäubendes Gejaul und Gebell. Für die Tiere bedeutet Canile: Einmal angekommen, ein Leben lang bleiben.

Canile Innen

Den Begriff Canile sollte man also nicht mit Tier- oder Hundeheim übersetzen. Wie wir bei unserer Recherche Anfang Mai in Italien feststellten, sollte man als Übersetzung den Begriff Hundelager wählen, denn die Hunde werden in den Canile schlichtweg gelagert. In der Region Apulien (italiensich Pulia), in der Nähe von Taranto, besuchten wir eines dieser Hundelager.

Die Situation der Hunde in den Lagern

Für die Hunde gibt es in den Canile weder genügend Freiraum, noch Ansprache. Es gibt kein Spiel und keine Spaziergänge. Unter diesen Bedingungen werden die Hunde zwangsläufig entweder wahnsinnig, depressiv oder aggressiv. Diese nicht artgerechte Haltung eines domestizierten Tieres ist in unseren Augen Tierquälerei.

Besonders kritisch ist die Situation für die in den Canile geborenen Welpen. Meist trennt man sie kurz nach der Geburt vom Muttertier. Durch die frühe Trennung finden jedoch die ersten besonders wichtigen Sozialisationen kaum statt. Das erwachsene Tier wird in der Regel später erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen, aber auch mit Artgenossen haben.

In dem Hundelager, in dem Straßenhunde in Not war, sind rund 500 Hunde untergebracht. Zwei Personen, die die Zwinger reinigen und nach den Hunden sehen, sind nur stundenweise da. Die übrige Zeit sind die Hunde sich selbst überlassen.

Was heißt Glück für die Hunde? Wenn Menschen da sind, die sie nicht prügeln oder schlecht behandeln. Wir trafen in diesem Hundelager eine ältere Frau, die ihre Hand schützend über die Tiere hält und jegliche Gewalt gegen die Hunde zu verhindern versucht.

Welpen in Canile

Uns drängt sich der Eindruck auf, dass die Hunde besser auf der Straße aufgehoben sind, als in einem Canile.

Das Leben auf der Straße bietet einen Vorteil: Die Hunde sind nicht eingesperrt und wenn Gefahr droht, können Sie fliehen und sich verstecken. Ein großes Problem ist aber die Futterbeschaffung. Hier versuchen einige Tierfreunde zu helfen.

Straßenhunde

Um Taranto sind einige Tierfreunde unterwegs, die den Straßenhunden Futter und Wasser bringen - auch wir gingen die Straßenhunde füttern und trafen sie auf einer ihrer Futter-Touren.

Um die Versorgung der Straßenhunde vor Ort zu unterstützen, orderte unser Verein eine größere Menge Futter und überließ es den Tierfreunden.

Das Leben der Straßenhunde ist hier, wie das der Straßenhunde überall: Sie leben versteckt auf Müllhalden, in Wald- und Wiesenstücken, versuchen Gewaltexzessen zu entgehen und sich etwas zu Essen zu beschaffen.

Wir sehen überall Welpen herumtollen. Was aus Ihnen wird, ist klar: Sie werden in einem Canile enden.

Ein Ereignis ging mir nahe: Während einer unserer Autofahrten beobachtete ich einen älteren Mann, wie er mit einem Stock auf einen schlafenden Hund einschlug. Laut jaulend vor Schmerz sprang der Hund davon.

Wir stoppten den Wagen und stellten den Mann zu Rede. Wir sollten uns um unsere Angelegenheiten kümmern, gab er zur Antwort. Nun sollten wir sein Opfer werden. Er hob den Stock und ging auf uns los.

Reflexartig hob ich meine Kamera, um den Vorgang zu dokumentieren. Als der ältere Mann die Kamera bemerkte, ließ er von uns ab und verschwand hinter dem großen Gartentor seines Hauses.

Auf unserer Rückreise konnten wir drei Hunde aus dem Hundelager mitnehmen und in Deutschland zur Vermittlung gut unterbringen.

Die Bilder der vielen hundert Hunde in Käfigen in langen Lagerhallen, einige verletzt, viele verängstigt, wird mir bleiben.

Beim Anblick eines Hundes mit einer dicken geschwollenen Nase, so dick, als läge ein Ei darunter, schoss mir sofort der Gedanke durch den Kopf: Ein Gewaltopfer.

Diese Bilder der geschundenen Kreaturen bleiben mir. Dieses Gebell bleibt mir: Holt mich hier raus!

"Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt."

Ernst von Feuchtersleben

Wir geben nicht auf! Niemals ...

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